Steinschlaggefährdete Muschelkalkfelsen unterhalb der Dornburger Schlösser

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Die unterhalb des als "Dornburger Schlösser" bekannten Schlossensembles anstehende Felswand war in den vergangenen Jahren Ausgangspunkt mehrerer Steinschlagereignisse auf die darunter verlaufende L 2303. Die Felsböschung wurde hinsichtlich ihrer Steinschlag- und Felssturzgefahr mehrfach ingenieurgeologisch  untersucht und bereichsweise gesichert. Bereits 2006 wurde das Risiko von Steinschlägen und Felsstürzen auf die L 2303 und die B 88 durch unser geotechnisches Ingenieurbüro mit Hilfe von Steinschlagsimulationen bewertet und ein aktives Sicherungskonzept erarbeitet. Mit der Vergabe des Bauauftrages an die "ARGE Böschungssicherung Dornburg" im Sommer 2012 wurden wir mit der Ausführungsplanung  der umfangreichen Sicherungsmaßnahmen auf der Grundlage des Amtsentwurfes beauftragt.

Schlossensemble "Dornburger Schlösser" mit Renaissance-Schloss, Rokokoschloss und Altem Schloss

Geologisch bedingte Ursachen für die Felsinstabilitäten

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An der Steilwand sind die Gesteinsfolgen des Unteren Muschelkalkes aufgeschlossen. An der Basis folgen die Gesteine des Oberen Buntsandsteins, die Böschungsneigung beträgt mehr als 40°. Die Formationsgrenze vom Muschelkalk zum darunter liegenden Oberen Buntsandstein wird durch die Gelbe Grenzbank (Unterer Muschelkalk) und die Strohgelben Kalke (Oberer Buntsandstein) markiert.

Das Grundmuster der geotechnischen Gefährdung der Straße ist durch die nahezu böschungsparallele Stellung von Großklüften und durch Verwitterungs- und Kriechvorgänge im Röt (Oberer Buntsandstein) gekennzeichnet. Die Großklüfte ergeben im Verein mit den nahezu orthogonalen Klüften eine pfeiler- und plattenartige Zerteilung des Kalksteinmassivs. Diese Grundkörper stehen leicht zum Tal geneigt auf der Gelben Grenzbank am Fuß der Steilwand.

In den darunter liegenden, feinschichtigen Kalksteinlagen der Strohgelben Kalke sowie den Mergelsteinen hat sich durch die fortschreitende Verwitterung eine Hohlkehle ausgebildet. Mit zunehmender Verwitterung geht die Stützwirkung der Gelben Grenzbank verloren, auf dem die Kalksteinpfeiler und -platten stehen. In der Vergangenheit wurde der Versuch unternommen, die sich bildenden Überhänge durch gemauerte Pfeiler zu unterstützen. Die flach im Kriechhang gegründeten Stützpfeiler bewegten sich relativ stärker als die zu stützenden Kalksteinpfeiler und -platten. Sie sind inzwischen vom Massiv getrennt und damit wirkungslos (siehe Foto).

Muschelkalksteilwand oberhalb der L 2303 mit Hohlkehlenauswitterung

Ausführungsplanung zum Sicherungskonzept "Steinschlagbarrieren"

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Im Zuge der Ausführungsplanung wurden durch unser geotechnisches Ingenieurbüro u.a. folgende Sicherungskonstruktionen bemessen und ausführungsreif geplant:

- Steinschlagschutzsystem 3.000 kJ: Länge 30 m, Höhe 4 m
- Steinschlagschutzsystem 5.000 kJ: Länge 136 m, Höhe 5 m
- Steinschlagschutzsystem 100 kJ: Länge 45 m, Höhe 3 m
- 79 Stck. Dübelböcke
- 3.431 m² dauerhafte Böschungsvernetzung inkl. Erosionsschutz
- bauzeitliche Spritzbetonvernagelung und Netzsicherung

Bei der Dimensionierung der Sicherungselemente wurden umfangreiche felsmechanische und erdstatische Standsicherheitsberechnungen durchgeführt, um eine tragsichere, gebrauchstaugliche und wirtschaftliche Lösung zu erarbeiten.

Detail eines ausgeführten Stützenkopfes
Detail eines ausgeführten Stützenfundamentes
Geländeschnitt mit Steinschlagschutzzaun
Detail eines Stützenfundamentes

Bauausführung 2012/13

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Im Herbst 2012 wurde mit der Bauausführung der geplanten Sicherungsmaßnahmen begonnen. Aufgrund geologisch und morphologisch bedingter Abweichungen von den Planungsgrundlagen waren zahlreiche Ergänzungen und Umplanungen zur Entwurfsplanung notwendig. Nach einem langen Winter 2012/13 konnten dann die Sicherungskonstruktionen wie geplant errichtet und im August 2013 erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Insbesondere die Anlieger mussten in dieser Zeit viel Geduld aufbringen, können jetzt jedoch wieder sicher die Landesstraße vom Saaletal nach Dornburg befahren.

Fertiggestellte Steinschlagschutzzäune im Juli 2013
 

Projektposter (PDF)

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Projektfotos 2012/13

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Aufnahmedatum: 26.07.2012
Aufnahmedatum: 10.08.2012
Aufnahmedatum: 15.08.2012
Aufnahmedatum: 21.09.2012
Aufnahmedatum: 03.12.2012
Aufnahmedatum: 30.01.2013
Aufnahmedatum: 04.03.2013
Aufnahmedatum: 05.04.2013
Aufnahmedatum: 19.06.2013
Aufnahmedatum: 04.07.2013
Aufnahmedatum: 10.07.2013
Aufnahmedatum: 23.07.2013
Aufnahmedatum: 04.09.2013